Abfahrtszeremonie „Hamburg-Shanghai: Auf der neuen Seidenstraße“

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Nach einer feierlichen Zeremonie brachen am Vormittag des 18. Mai 2018 die Teilnehmer an der Busreise „Hamburg-Shanghai: Auf der neuen Seidenstraße“ zu ihrer ersten Etappe in Richtung Berlin auf. Die 53 Tage andauernde Fahrt, die von China Tours in Zusammenarbeit mit ZEIT REISEN organisiert wird, führt die Gruppe durch 60 Länder des eurasischen Kontinents.

Dieser Abschied fiel nicht schwer

Im Pressehaus der Wochenzeitung DIE ZEIT wurden die Reisenden u.a. mit Reden von Sandra Kreft, Verlagsleiterin von DIE ZEIT, und Sven Meyer, Vertreter des Fremdenverkehrsamtes China in Deutschland, verabschiedet. Bernd Loppow, Programmleiter von ZEIT REISEN, moderierte die Veranstaltung.

Neben ihren zahlreichen Glückwünschen verdeutlichten alle, wie sehr sie die Teilnehmer um ihre bevorstehenden Erfahrungen beneideten. Herr Dr. Theo Sommer, ehemaliger Herausgeber der ZEIT und Ehrenvorsitzender der GDCV, betonte, dass die Lehren zur Geschichte und Lebenswirklichkeit der besuchten Länder, die die Reisenden aus eigener Anschauung lernten, durch keine Lektüre zu ersetzen seien. Er riet ihnen nach der Maxime zu handeln: „Man tastet sich mit den Füßen von Stein zu Stein durch den Fluss“. Er berichtete vom Aufstieg der Volksrepublik China seit 1978 zur wirtschaftlichen Weltmacht und gab einen Ausblick auf die Vorhaben der Regierung, insbesondere auf die Initiative „One Belt, One Road“, die er mit dem „Marschall-Plan“ der USA nach dem Zweiten Weltkrieg verglich.

“Wenn jemand eine Reise tut…”

In seiner persönlich gehaltenen Rede erklärte LIU Guosheng, Vorsitzender der GDCV und Inhaber von China Tours, was für ihn das Reisen bedeutet. Da seine Maximen nicht nur auf die Busreise „Hamburg-Shanghai: Auf der neuen Seidenstraße“ anwendbar sind, sondern sogar auf das Leben selbst, möchten wir Ihnen die leicht gekürzte Rede von Herrn LIU nicht vorenthalten.

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,
sehr geehrte Frau Kreft,
lieber Bernd,
liebe Reiseteilnehmerinnen und liebe Reiseteilnehmer,

gleich geht eine großartige Reise los, vom Rand des Atlantischen Ozeans quer über den eurasischen Kontinent, entlang der historischen Seidenstraße, bis zum Rand des Pazifiks. Für viele von Ihnen wird diese Reise die längste und größte Ihres Lebens werden.

Ein weiser Mann hat mal gesagt: „Die längste Reise des Lebens führt zu sich selbst“. Für mich ist das absolut richtig. Meine Erziehung wurde ein bisschen durch den Buddhismus beeinflusst. Aus dessen Sicht kommt der Mensch immer wieder auf diese Welt, um sich weiter zu entwickeln, weil man nur hier und jetzt durch Probleme wächst. Jedes neue Leben bedeutet eine weitere Stufe auf dem Weg zu Weisheit, Erleuchtung und Nirwana.

Ihre bevorstehende Reise ist wie ein eigenes, kleines Leben. Es beginnt hier mit der Abfahrtszeremonie und endet mit der Ankunft in Shanghai. Sie leben in einer kleinen Gemeinschaft, aber im engen Austausch mit ihrer Umgebung, jeden Tag in einer neuen Welt. Es wird ein sehr konzentriertes, also sehr intensives Leben sein. Sie werden viel erleben, viel erfahren. Jeder Tag ist offen für neue und unerwartete Situationen. Ich wünsche, dass Sie gemeinschaftlich dieses Stück Leben bestens und reichhaltig gestalten.

Sie verlassen Ihre Haustür und fahren Kilometer für Kilometer den Kontinent ab. Sie erleben, wie sich die Landschaft, das Klima, die Sprache, die Kultur und die Menschen ändern, aber auch, wie eng sie alle miteinander verbunden sind. Das ERFAHREN sie wortwörtlich. Sie werden verstehen, wo Kirgistan wirklich physisch liegt, nämlich sehr weit weg von Deutschland. Trotz der großen Entfernung werden Sie von bislang unbekannten und erstaunlichen Verbindungen zu ihrer Heimat erfahren. Beispielweise ist Kucha, weit, weit weg von Hamburg, noch hinter Kirgistan, hinter dem Tianshan, dem Himmelsgebirge. Dort haben Menschen tausend Jahre lang Tocharisch gesprochen. Das ist eine indo-germanische Sprache. Ihre Sprecher waren eng verwandt mit Ihren Vorfahren. Sie werden selbst den Weg zurücklegen, der dorthin führte und führt.

„Reisen bildet.“ Hat Goethe das gesagt? Jedenfalls meinte er, dass die Chinesen eigentlich sehr ähnlich denken und handeln wie die Deutschen. Das glaube ich auch immer mehr, je länger ich in Deutschland lebe. Sagen Sie mir nach der Reise bitte, ob das stimmt.

Ich spreche hier auch in der Funktion als Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung, GDCV, einer kleinen Gruppe von Menschen, die sich für den deutsch-chinesischen Kulturaustausch engagiert. Es ist eine große Ehre, dass wir Herrn Dr. Sommer als unseren Ehrenvorsitzenden gewinnen konnten. Ich hoffe, dass Sie auf dieser Reise für eine bessere Verständigung mit den Bewohnern der besuchten Länder sorgen. Vielleicht bekommen Sie nach der Reise Interesse, bei der GDCV mitzumachen, und melden Sie sich als Mitglied an. Das würde mich überglücklich machen.

Ich wurde oft gefragt, wie man sich auf diese Reise gut vorbereiten kann. Meine Antwort lautet immer: Reisen Sie mit offenen Augen und offenen Herzen. Menschen in vielen Ländern leben ganz anders, als wir denken. Viele Sachen erscheinen bloß merkwürdig oder unlogisch, weil wir die kulturellen Hintergründe nicht kennen. Also lassen Sie die Vorurteile, die wir alle haben, zu Hause liegen und reisen Sie mit leichtem Gepäck.

Noch ein wichtiger Punkt, bevor ich zum Ende komme, meine lieben Reiseteilnehmer! Sie werden auf dieser langen Reise nicht nur viel sehen, viel hören und viel erleben, sondern werden auch gesehen, gehört und werden sehr oft im Mittelpunkt des Tagesgeschehens stehen. Sie sind Kulturbotschafter, egal ob Sie wollen oder nicht! Aus ihrem Verhalten, ihren Aussagen machen sich die Menschen ein Bild von Hamburg, Deutschland und von Europa. Sie fahren durch Gegenden, wo schon viele Europäer waren, aber auch durch solche, wo sonst kaum ein Europäer zu sehen ist. Nehmen Sie nicht nur selbst etwas von Ihrer Reise mit, sondern geben Sie den Menschen auch etwas zurück: Ihr Verständnis, Ihr Lächeln, Ihre Toleranz, Ihre Freundschaft. Sie sind Kulturbotschafter!

Ich wünsche Ihnen, meine liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, liebe Kulturbotschafter, eine unvergessliche Reise mit vielen tollen Erfahrungen und das Überschreiten einer großen Stufe nach oben zu einem erleuchteten Leben.

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